Beim Empfang von APRS-Stationen wird deren Position mit Längen- und Breitengrad
übermittelt. Dabei beträgt die maximal erreichbare Auflösung in unseren
Breiten etwa 20m in NS- und 10m in OW-Richtung. Da man sich unter Koordinaten-
und selbst unter Locatorangaben doch recht wenig vorstellen kann, bietet es
sich an, die Stationen mit geeigneter Software auf Landkarten darzustellen.
Das klingt jedoch einfacher als es ist, es gilt hier verschiedene Probleme zu
beachten.
- Verfügbarkeit von Karten
Im Gegensatz z.B. zu den USA gibt es in Deutschland so gut wie kein freies
Kartenmaterial. Da ein Funkamateur wohl kaum eine Lizenz für die Benutzung
von kommerziellem Kartenmaterial bezahlen kann, muß ein anderer Weg gefunden
werden. So weit ich informiert bin, müßte es nach unserem Urheberrecht erlaubt
sein, für den eigenen Gebrauch Karten zu kopieren bzw. zu scannen. Diese so
erhaltenen Daten darf man dann allerdings nicht an andere weitergeben oder
gar auf einer Webpage zum Download anbieten.
Es gibt einiges an Kartensoftware für die Verwendung mit GPS-Empfängern.
Diese Programme sind aber eben nur in der Lage, die eigene Position darzustellen
und damit für APRS nicht geeignet. Die einzige Möglichkeit bestünde darin,
die einzelnen Stationen als Wegpunkte in die Karte einzutragen, man verzichtet
dabei aber auf den größten Teil der APRS-Funktionalität.
- Vektorkarten
Vektorkarten sind eine Art Datenbank, in der Punkte durch ihre Koordinaten
beschrieben sind. Hierdurch kann prinzipiell eine beliebige Genauigkeit
erreicht werden. Mittels dieser Stützpunkte können nun z.B. Linien oder
Flächen zur Darstellung von Straßen oder Wäldern beschrieben werden. Auch
beim Vergrößern oder verkleinern des Maßstabs bleibt die Genauigkeit der
Daten erhalten. Sinnvoll ist es allerdings, die Daten in verschiedene
Hierarchien zu gruppieren, da man ja z.B. nicht alle Nebenstraßen sehen
will, während man die ganze Bundesrepublik auf dem Schirm darstellt.
Neben den geographischen Daten können Vektorkarten auch andere beschreibende
Daten enthalten, z.B. Label, um Straßen oder Orte zu benennen.
Gute Vektorkarten sind wegen der verfügbaren Details recht groß,
auch zur Darstellung auf dem Bildschirm müssen alle Elemente einzeln
gezeichnet werden, so daß das Laden der Karte länger dauern kann.
Ansonsten ist dies das zu bevorzugende Format.
- Pixelkarten
Bei Pixelkarten handelt es sich nur um eine Grafikdatei, also eine Art
Schnappschuß einer Karte mit einer bestimmten Auflösung. Da ich nur ein
Bild statt der Koordinaten brauche, stehen natürlich deutlich mehr mögliche
Quellen für eine Pixelkarte zur Verfügung. Kann man die Karte in der
vorgegebenen Auflösung (ein Pixel auf der Karte entspricht dann einem Pixel
auf dem Schirm) darstellen, so erhält man ein gutes Ergebnis. Beim
Hineinzoomen ergibt sich dann aber schnell eine unschöne Klötzchengrafik,
da die Karte bei der Vergrößerung keine weiteren Details bieten kann. Beim
Herauszoomen dagegen gehen Details wie z.B. Straßen, die vorher wenige
Pixel breit waren, ganz verloren, oder sind bei einer Interpolation nicht
mehr deutlich zu erkennen. Pixelkarten eignen sich also nur in einem sehr
beschränkten Bereich um die Originalauflösung herum, so daß man mehrere
Karten in unterschiedlichen Auflösungen benötigt.
Ein weiteres Problem ist die Zuordnung von Koordinaten zu den
Bildpunkten. Für die hierzu notwendige Kalibrierung ist eine Angabe von
nur zwei Referenzpunkten wie bei UIView allerdings eindeutig zu wenig,
hiermit werden sich die meisten Karten NICHT vernünftig justieren lassen.
Mit zwei Punkten kann nur eine konstante Skalierung in x- und y-Richtung
festgelegt werden. Nicht berücksichtigt werden eine Rotation der Karte
oder eine von der Bildschirmdarstellung abweichende Projektion, wie sie
bei fast allen Karten vorkommt.
GPS-Karten-Software bietet hier oft schon eine Kalibrierung mit zehn
Punkten und mehr sowie der Angabe der Karten-Projektion. Die Software kann
daraus die richtige Darstellung bestimmen, was zu deutlich besseren
Ergebnissen führt. Da dies aber fast immer proprietäre Software ist, kann
man sie nicht für APRS erweitern oder ähnliche Algorithmen in APRS-Software
einbauen. So müssen wir halt noch etwas warten, bis wir das Rad wieder neu
erfunden haben...
Wie kommt man nun zu einer Karte?
- Selbst machen
Zumindest für Vektorkarten mit begrenzten Details können die
Daten aus GPS-Tracklogs gewonnen werden. Ich mache das teilweise, aber es
ist viel Aufwand!
- Scannen
Wer einen Scanner besitzt, kann vorhandene topographische Karten
einscannen. Leider sind die DIN-A4 Scanner hierzu nur bedingt geeignet. Die
zur Verfügung stehende Auflösung wird nicht gebraucht, aufgrund der begrenzten
Fläche erhält man aber pro Karte fünf bis sechs DIN-A4 Seiten, die man nicht
ohne Probleme wieder zusammensetzen kann. Nimmt man dagegen eine Karte mit
größerem Maßstab, so fehlen die Details in der Karte.
- Internet
Im Internet gibt es ein paar freie Karten meist aus den USA,
die auch hiesige Gegenden abbilden. Leider läßt deren Qualität doch sehr zu
wünschen übrig.
- Kartendienste im Internet
Es gibt im Internet verschiedene Stadtplan- Routen- und Kartendienste,
bei denen man durchaus brauchbare Karten auf den Bildschirm bekommen kann.
Allerdings sind die Karten in ihrer Größe (nach Pixeln) meist sehr begrenzt
und es bereitet manchmal Probleme, die Daten abzuspeichern und wieder
zusammenzufügen, wenn eine Karte z.B. aus 16 Einzelbildern besteht.
Außerdem ist oftmals die Projektion der Karten nicht bekannt, so daß es
problematisch werden kann, die Karten anschließend zu kalibrieren.
Datum
Früher hatte jedes Land sein eigenes Modell von der Erde und damit eine
nicht über die Landesgrenzen hinaus kompatible Darstellung von Positionen.
Im Zeitalter des GPS fällt dies auf, wenn man genau hinschaut. Die Angabe
z.B. von 52°N/13°E ist unvollständig ohne die Angabe des Datums. In
Deutschland wird noch häufig das Potsdam-Datum auf Karten angegeben, während
sich mehr und mehr WGS84 international durchsetzt. WGS84 wird übrigens auch
in APRS verwendet. Zur Verdeutlichung noch einmal das obige Beispiel
| Potsdam Datum | WGS84 Datum |
| N52° E013° | N51°59.921' E012°59.898' |
| N52°00.079 E013°00.102 | N52° E013° |
Die beiden Orte sind immerhin etwa 190m voneinander entfernt. Seit Mai
2000 haben auch die zivilen GPS-Empfänger eine Genauigkeit von etwa 10m,
da merkt man schon, ob die Karte auf dem falschen Datum basiert.
Projektion
Die Erde ist eine Kugel (zumindest ungefähr), deren Oberfläche sich nicht
ohne Verzerrungen in einer Ebene darstellen läßt. Im Lauf der Jahrhunderte
wurden verschiedene Verfahren entwickelt, wie man die Erdoberfläche auf eine
Ebene projizieren kann. Dabei gibt es verschiedene Interessen zu beachten,
z.B. Projektionen, bei denen die Winkel erhalten bleiben, oder solche mit
einheitlichem Längenmaßstab über die Karte. Die verfügbaren Karten sind also
in einer speziellen Projektion erstellt und auch bei der Bildschirmdarstellung
in unserer APRS-Software wird eine bestimmte Projektion verwendet. Sind diese
unterschiedlich, so muß dies bei der Darstellung der Karten berücksichtigt
werden. Die Umrechnungen sind teils sehr kompliziert und damit auch langsam,
so daß es in APRS-Software momentan meist noch an Unterstützung hierfür fehlt.
Die gängigste Bildschirmdarstellung in APRS-Software ist momentan meist
nach Längen- und Breitengrad. Dies führt dazu, daß der Längenmaßstab in
Ost-West-Richtung sich vom -quator zu den Polen hin kontinuierlich ändert.
Der Pol, eigentlich ein Punkt, ist auf dem Bildschirm genauso breit wie der
-quator.
Dieses Bild zeigt, wie eine topographische Karte verzerrt werden muß, um
in ein Längen-/Breitengradgitter zu passen. Hiermit sollte klar sein, daß
es unmöglich ist, solch eine Karte (z.B. in UIView) zu justieren, wenn die
Software dies nicht unterstützt.
Mehr folgt hoffentlich, wenn ich mal wieder etwas Zeit habe...
Ich habe eine Vektorkarte Berlin/Brandenburg
für APRS erstellt, die mit Xastir, WinAPRS oder
APRS/CE eingesetzt werden kann.

Vektorkarte Berlin / Brandenburg

Kartenausschnitt: westliche City und der Tiergarten
Hat jemand GPS-Tracklogs (nach dem 2. Mai
2000) der Autobahnen? Es fehlen mir noch einige Teile der A11, A12, A13, A15,
A241, sowie die neue Ostseeautobahn A20. Am besten per E-Mail melden, per Funk bin
ich meist auf DB0TA zu erreichen.
|